Blick unter die VW Golf 7 Karosserie: Über die Nervenbahnen der modernen Automobile Teil 2/2

Im ersten Blick hinter die Kulissen haben wir bereits gelernt, dass man im Automobil-Bau bei Volkswagen nicht von Kabel sondern von „Meterware“ redet, doch wie viele Meter Kabel werden eigentlich in so einem Fahrzeug verbaut? Gleich werfen wir einen Blick auf den VW Golf 7, doch zunächst reisen wir zurück in die Vergangenheit:

„In einem VW Golf 1 wurden 1980 insgesamt 191 Leitungen mit einer Gesamtlänge von 214 Metern verbaut.“

VW Golf 1 - Kabellänge noch überschaubar!
VW Golf 1 – Kabellänge noch überschaubar!

Wie sieht das z.B. beim aktuellen VW Golf 7 Facelift aus?

„Im aktuellen VW Golf 7 sind es fast 1.000 verschiedene Leitungen. Inzwischen wird aber eher in Kilometern gemessen: Die Länge des Kabelnetzes eines durchschnittlich ausgestatteten Golf beträgt fast 1,6 Kilometer.“

1,6 km Kabel im aktuellen VW Golf 7
1,6 km Kabel im aktuellen VW Golf 7

 

Hat sich sonst noch was verändert, ausser bei der Länge der Leitungen?

„1980 gab es in Deutschland für den Golf – je nach Ausstattung – rund 460 verschiedene Leitungssätze. Heute wird nach der Bestellung eines Polo, Tiguan oder Touran der spezifische Kabelstrang produziert und direkt an die Fertigungslinie geliefert. Allein für den VW Golf 7 sind – theoretisch – 425 Milliarden Varianten möglich. Und auf speziellen Wunsch und für die speziellen Bedürfnisse eines Kunden könnte eine dieser Varianten dann auch gebaut werden. Vielleicht nur dieses einzige Mal in der gesamten Modellgeschichte?“

Individuelle Kabelbäume im VW Golf 7
Individuelle Kabelbäume im VW Golf 7

Wie sieht das mit dem Gewicht aus?

„Bis vor wenigen Jahren nahm das Gewicht der verbauten Leitungen stets zu. Inzwischen sorgen nachhaltige Materialien für leichtere Fahrzeuge und damit für niedrigeren Verbrauch. In Zeiten des technischen Wandels und vor dem Hintergrund Emissionen einzusparen, sind Leichtbau und Kraftstoffersparnis unabdingbar.“

Viele bunte Kabel - bei VW Meterware genannt!
Viele bunte Kabel – bei VW Meterware genannt!

Wie wurde das erreicht?

„Beispielsweise wurde der Querschnitt der Signalleitungen in aktuellen Testfahrzeugen von 0,35 (Kupfer) auf 0,13 (Kupfer-Zinn) Quadratmillimeter verkleinert. Dazu kam eine neuartige Kupfer-Zinn-Legierung. Insgesamt brachten diese Maßnahmen eine Einsparung von rund einem halben Kilo. Zum Vergleich: Eine Signalleitung besteht aus sieben Drähten, plus Isolation. Sie ist einen Milimeter dick. Das ist ungefähr so viel wie ein Bündel von 14 menschlichen Haaren.“

Verschiedene Anforderungen für verschiedene Anwendungen!
Verschiedene Anforderungen für verschiedene Anwendungen!

Wie sehen die Testbedingungen aus?

„Umfangreiche Tests, drinnen im Klimalabor und draußen auf den Straßen, in heißen und kalten Ländern gehören zum Alltag. Produktionsbedingt gibt es zwar eine Trennung zwischen dem Kabelbaum im Motorraum und dem für den Innenraum. Nicht jedes Kabel muss also Temperaturen von weit über 200 Grad Celsius in der Nähe des Zylinderkopfes aushalten. Aber alle Kontakte müssen ihre Signale korrekt übermitteln.“

Wie wird die korrekte Übermittlung sicher gestellt?

„Allein diese Anforderung führt, je nach Einsatzort am Fahrzeug, zu verzinnten, versilberten oder auch vergoldeten Bauteilen. Der größte Feind der Entwickler ist jedoch das Wasser. Als ultimativer Extremtest wird ein Eimer Wasser in den Fußraum gekippt, um den Schneematsch des kanadischen Winters an den Schuhen der Insassen zu simulieren.“

Fast jedes VW Golf 7 Bauteil braucht sein(e) Kabel!
Fast jedes VW Golf 7 Bauteil braucht sein(e) Kabel!

Das Thema: „Autonomes Fahren“ steht ja nicht mehr in den Sternen, wie sieht es dann mit der Kabelanlage im Fahrzeug aus?

„Auch das autonome Fahren wirft bei den „Bordnetzern“, wie sie sich selbst mit einem Augenzwinkern nennen, seine Schatten voraus. Andreas Boy, aus dem Bereich der Bordnetzverlegung, berichtet: „Die Fertigung und Verlegung der Kabelstränge muss hohen Ansprüchen genügen.

Zu diesem Anspruch kommen dann bei den selbstfahrenden Autos ein noch ein Aspekt dazu: Doppelt vorhandene Systeme würden eine deutlich höhere Zuverlässigkeit bieten, zur Sicherheit der Menschen, innerhalb und außerhalb des Fahrzeuges. Wir werden also in Zukunft auf engstem Raum noch mal deutlich mehr Leitungen als heute schon unterbringen müssen.“

Quelle & © Fotos: Volkswagen Deutschland 2017

Schreiben Sie ein Kommentar

Ihre E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht oder weitergegeben. Pflichtfelder sind markiert *